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Aus den Ländern
Der Apotheker als Wissensmanager
Mehr Sicherheit für Arzt und Patienten durch mehr Informationen
Die ersten Plenarvorträge befassten sich mit der evidenzbasierten Arbeitsweise bei der Gewinnung von Arzneimittelinformation und mit neuen Quellen zur Suche nach Publikationen. Wie Dr. Dorothea Strobach, München, betonte, besteht eine evidenzbasierte Arzneimittelinformation nicht nur in der Gewinnung der Information, sondern auch in deren Ausrichtung auf eine bestimmte klinische Situation oder die individuellen Bedürfnisse eines Patienten. Zur Gewinnung der Information bietet sich ein strukturiertes Vorgehen an; eine Hilfestellung hierzu leistet die Leitlinie des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) (ADKA-Leitlinie Arzneimittelinformation aus der Krankenhausapotheke 2021). Es sollten mindestens zwei unabhängige Quellen herangezogen werden, z. B. Fachinformation, Drugdex, UpTodate, Martindale, BNF for Children, um nur einige zu nennen. Bei der Konsultation einer Fachinformation ist zu beachten, dass amerikanische Fachinformationen (United States Prescribing Information, USPI) wesentlich spezifischere und umfangreichere Daten enthalten als die deutschen/europäischen Pendants. So schreibt etwa die amerikanische Zulassungsbehörde FDA vergleichende Angaben zu Arzneimittel versus Placebo oder Vergleichstherapie vor, was eine bessere Einordnung bei der Beurteilung unerwünschter Wirkungen ermöglicht. Die erarbeitete Information sollte anschließend strukturiert und ohne überflüssigen Ballast an den Fragenden übermittelt werden; ein abschließendes Fazit rundet die Beantwortung der Frage ab.
Werkzeugkasten Arzneimittelinfo
Bei der Suche nach Information bedient man sich in der Regel diverser Online-Suchdienste. Wolfgang Erdmann, Mülheim, stellte hierzu einige Werkzeuge vor, die in einzelnen Schritten den mehrstufigen Prozess der Literaturrecherche erleichtern. Dies sind eine Rechercheplattform mit informativer Darstellung der Ergebnisdaten und nützlichen Filterfunktionen, eine neue Generation von Werkzeugen für Empfehlungen relevanter Artikel sowie eine Möglichkeit, frei verfügbare Publikationen direkt einzusehen:
- Science open, www.scienceopen.com/
- informative Darstellung
- thematische Sammlungen
- Altmetrics-Daten
- Connected Papers, www.connectedpapers.com/
- unkomplizierte Suche
- Netzwerk-Darstellung
- Suchprinzip nach Nähe
- Unpaywall, https://unpaywall.org/
- automatische Anzeige
- Datenbank-Schnittstelle
- anonyme Nutzung
Von Adipositas bis Transgender
Neben allgemeinen Fragen zur Gewinnung von Arzneimittelinformation und Kommunikation der Information wurden in weiteren Vorträgen und Workshops spezielle Fragen vertieft. So etwa juristische Aspekte der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS ist seit Längerem rechtlich festgelegt, so etwa im Patientenrechtegesetz), Fragen zur medikamentösen Therapie bei Geschlechtsinkongruenz oder spezielle Aspekte des Medikationsmanagements. Hierunter fallen beispielsweise Fragen zur QTc-Zeit-Verlängerung, deren Relevanz von Patienten-individuellen und Wirkstoff-bezogenen Faktoren abhängt oder Probleme bei der Dosierung von Arzneimitteln für adipöse Patienten. Weitere Schwerpunkte waren der Beitrag des Apothekers zur Pharmakovigilanz, Ergebnisse von Ringversuchen zur Arzneimittelinformation oder das Verhalten in schwierigen Kommunikationssituationen.
Pharmazeutische Dienstleistungen – neue Chancen
Aus der Sicht einer öffentlichen Apothekerin wurden die pharmazeutischen Dienstleitungen angesprochen. Wie Heike Gnekow, Hamburg, ausführte, begannen diese bereits 2021 mit dem Testen auf SARS-CoV-2-Infektionen und ein Jahr später mit der Impfung gegen Grippe. In dieser Zeit leistete die öffentliche Apotheke Aufklärungsarbeit, was sich in einer vermehrten Wahrnehmung in der Bevölkerung widerspiegelt. Dies ist eine gute Voraussetzung für weitere pharmazeutische Dienstleistungen, die unlängst implementiert wurden. Aus fachkundig durchgeführten Dienstleistungen erwachsen viele Chancen, so etwa die Erweiterung der eigenen Kompetenz, eine erhöhte Attraktivität des Apothekerberufs, eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den Heilberufen und last not least eine Verbesserung der Patientenversorgung.
Infektopedia – freies infektiologisches Wissen
Seit Kurzem steht eine neue Informationsmöglichkeit zur Diagnostik und Therapie infektiologischer Erkrankungen als unabhängiger, webbasierter, kostenfreier Leitfaden zur Verfügung. Wie Univ.-Prof. Dr. Jörg Janne Vehreschild, Frankfurt, erläuterte, wurde der Leitfaden von der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) in Zusammenarbeit mit zahlreichen Experten erstellt. Die Einbindung anderer Meinungen und Fachgesellschaften ist konzipiert, sodass auch individuelle Besonderheiten berücksichtigt werden können. Die Plattform umfasst derzeit 25 Kapitel zu klinisch relevanten infektiologischen Erkrankungsbildern; eine Erweiterung auf den ambulanten Bereich ist in Arbeit. Die Datenbank ist einfach zu verstehen und verfügt über einen übersichtlichen Aufbau. Zwei Hauptspalten „von A bis Z“ und von „Kopf bis Fuß“ ermöglichen einen raschen Zugriff zu der gesuchten Information. Die einzelnen Kapitel enthalten Angaben zum klinischen Bild, der Diagnostik, den Erregern, der Therapie, Prävention und Prophylaxe und den Quellenangaben sowie weitere Literatur und Hilfestellungen; wichtige Hinweise sind farblich hervorgehoben. Vor allem die Abschnitte zur Therapie (z. B. Otitis externa, Rhinosinusitis, Penicillin-Allergie, Harnwegsinfektion) können im Apothekenalltag hilfreich sein, zumal zusätzliche Angaben aufgeführt sind. So etwa bei der medikamentösen Therapie einer Helicobacter-pylori-Infektion; hier findet sich neben den Therapieschemata eine Äquivalenztabelle der verwendeten Protonenpumpeninhibitoren (Aufruf über https://infektiopedia.de/wiki/Hauptseite). |
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