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Es war eine schreckliche Nacht
Wie schätzen türkische Forscher die Lage ein? Es ist derzeit nicht ganz leicht, Kontakt herzustellen. Wohl jeder Forscher muss befürchten, dass seine Äußerung genau beobachtet wird – von staatlichen Stellen, oder Kollegen. Ein Pharmazeut, der in Deutschland promoviert hat, schreibt, dass er sich aufgrund der „aktuellen prekären Lage“ nicht äußern könne. Doch die Präsidentin der European Federation for Pharmaceutical Sciences (EUFEPS), Erem Bilensoy, ist zu einem Telefonat bereit. Als Professorin für pharmazeutische Technologie steht sie EUFEPS seit 2014 vor – der türkische Verband bringt sich schon seit Langem auf europäischer Ebene stark ein.
Bilensoy erklärt gegenüber DAZ.online, dass es für Pharmazeuten eigentlich keine Auswirkungen gebe – angesichts des Putschversuchs zeigt sie Verständnis für das Vorgehen Erdoğans. „Es war eine schreckliche Nacht“, sagt sie. „Ich lebe in Ankara, die Stadt wurde von Milizen bombardiert. Wir konnten die Jets und das Bombardement sehen – es hielt bis zum nächsten Morgen an.“ Auch seien die meisten Türken gegen den Putschversuch.
Wissenschaftler werden warten müssen
Die Reiseverbote seien eine Vorsichtsmaßnahme, da die Gülen-Gruppe viele Mitglieder an den Universitäten hätte. „Für einige Wochen können wir unsere Aufgaben im Ausland nicht erfüllen, aber das ist vorübergehend“, erklärt Bilensoy gegenüber DAZ.online. Bezüglich ihrer Arbeit für EUFEPS habe sie bisher keine Probleme gehabt. „Es ist ein Problem, wenn ich für eine Vorstandssitzung nicht ins Ausland reisen kann – aber dann kann ich mich per Telefonkonferenz einschalten“, sagt sie. Reisen hätte sie nicht stornieren müssen, in den nächsten Wochen seien ohnehin keine geplant. „Ich bin zurück im Büro und habe keine Einschränkungen gespürt“, sagt Bilensoy.
Seit Freitag ist das Reiseverbot nun wieder aufgehoben – doch dürfen Wissenschaftler von türkischen Universitäten weiterhin keinen Tätigkeiten im Ausland nachgehen. „Wenn das immer so weitergeht, ist es ein Problem”, erklärt Bilensoy. Die Wissenschaftler, die nun auf ein Austauschprogramm gehen wollten, werden warten müssen. Aber die Situation in der Türkei sei schrecklich gewesen. „Ich unterstütze die Entscheidung“, sagt sie.
1 Kommentar
Erdogans Demokratieverständnis
von Heiko Barz am 27.07.2016 um 11:43 Uhr
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