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Arzneimittel und Therapie
„Jetzt wird’s heiß“
Krank durch Hitze ist Thema auf der Interpharm in Göttingen
Im Jahrhundertsommer 2003 kam es europaweit zu 50.000 bis 70.000 hitzebedingten Todesfällen. Auch 2018 war ein Rekordsommer, und 2022 erlebte Europa den heißesten Sommer, der je aufgezeichnet wurde mit Temperaturrekorden und Extremwetterlagen. Mit Blick auf den Klimawandel dürfte 2022 keine Ausnahme bleiben.
Anhaltende Hitze ist auch in Apotheken ein Thema. So muss vor allem bei Risikopatienten geprüft werden, ob Arzneimittel hitzebedingte Gesundheitsschäden provozieren oder deren Anzeichen verschleiern können. Apothekerin Dr. Verena Stahl wird sich diesem Thema im Rahmen der Interpharm 2023 am 5. Mai widmen. Im Gespräch mit der DAZ hat sie einen ersten Einblick gegeben.
DAZ: Ab welchen Temperaturen sollten wir an hitzebedingte Gesundheitsschäden denken und wessen Gesundheit trifft die Hitze am härtesten?
Stahl: Hitze wird bekanntlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich gut vertragen, aber was heißt erst mal „heiß“? Für die Beurteilung der Hitze ist die „gefühlte“ Temperatur entscheidend. Hier geht es nicht nur um die gemessene Lufttemperatur, sondern darum, wie man die weiteren Umstände empfindet. Kritisch wird es, wenn die gefühlte Temperatur an mindestens zwei aufeinander folgenden Tagen über 32 °C liegt und es nachts nicht abkühlt oder wenn an einem Tag sogar 38 °C überschritten werden, was als extreme Wärmebelastung gilt. Hierunter leiden besonders die klassischen Risikogruppen: Senioren über 75 Jahre, die vielleicht Vorerkrankungen haben, alleinstehend oder pflegebedürftig sind, aber auch Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder.
DAZ: Bei welchen Arzneimitteln jenseits von Diuretika muss man besonders aufmerksam sein?
Stahl: Da gibt es viele, und ich möchte natürlich dem Interpharm-Vortrag nicht allzu sehr vorgreifen. Aber im Grunde genommen kann alles, was unsere körpereigenen Abkühlungsmechanismen stört, problematisch sein.
DAZ: Kann die Hitze auch die Pharmakokinetik von Arzneimitteln beeinflussen und so zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen führen?
Stahl: In der Tat sind es nicht nur bestimmte Arzneistoffgruppen, die bei Hitzeperioden kritisch sind und unerwünschte Arzneimittelereignisse provozieren können. Man nimmt an, dass bei extremen Temperaturen und entsprechend vulnerablen Personen auch Veränderungen im pharmakokinetischen Profil scheinbar unbeteiligter Wirkstoffe resultieren können. Das ist ein sehr spannendes und wichtiges Thema, auf das ich in meinem Vortrag eingehen werde.
DAZ: Frau Dr. Stahl, vielen Dank. Wir sind schon gespannt auf Göttingen. |
Pharmazeutischer Kongress in der Lokhalle Göttingen
Das Programm am 5. Mai 2023:
- pDL – Vorgehen und Ansprache von Patientengruppen mit Dr. Katja Renner, Heinsberg
- Standardisierte Risikoerfassung Bluthochdrucktherapie mit Dr. Isabel Waltering, Nottuln
- Arzneimittel- und Patientenversorgung bei Hitzewellen mit Dr. Verena Stahl, Herdecke
- Einsatz oraler antiviraler Therapien mit Dr. Björn Schittenhelm, Holzgerlingen
- Auswirkungen und Toxizität von Arzneimitteln auf die Umwelt mit Dr. Gerd Maack, Fachgebiet Umweltbewertung Arzneimittel, Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau
- Nicht lieferbar! Folgen und Risiken globaler Märkte mit Dr. Uwe Weidenauer, Weinheim
- Update Antibiotika: Beratung, Resistenzen, Leitlinien und Austauschbarkeit – Fälle aus der Praxis mit Dr. Werner Haußmann, Göggingen
- Arzneiformen richtig anwenden – 50 Tipps, die Sie in keiner Packungsbeilage finden mit Dr. Philipp Kircher, Peißenberg
Das komplette Interpharm-Programm finden Sie unter www.interpharm.de.
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