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Risiken und Nebenwirkungen
Wenn Arzneimittel Depressionen auslösen
Die Polypharmazie nimmt zu
Laut Studienautor Dima Qato zeichnet sich in der Studie ein Trend ab, der zeigt, dass entsprechende Arzneimittel immer häufiger im Rahmen der Polypharmazie eingesetzt werden. Zwischen 2005 und 2006 wurden innerhalb der Studie bei 35 Prozent der eingesetzten verschreibungspflichtigen Arzneimittel als potenzielle Nebenwirkungen Depressionen festgestellt. Zwischen 2013 und 2014 stieg dieser Anteil auf 38 Prozent. Auch der Einsatz von Protonenpumpeninhibitoren und H2-Antagonisten – die potenziell Depressionen auslösen können – stieg im selben Zeitraum ungefähr von 5 auf 10 Prozent an. Der gleichzeitige Einsatz von drei oder mehr Arzneimitteln stieg ungefähr von 7 Prozent auf 10 Prozent.
Bei den Arzneimitteln, bei denen Suizid als mögliche Nebenwirkung gelistet wurde, nahm der Einsatz von rund 17 Prozent auf 24 Prozent zu. Der gleichzeitige Einsatz von drei oder mehr Arzneimitteln stieg in dieser Gruppe von rund 2 Prozent auf 3 Prozent.
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Grenzen der Studie
Weil es sich bei der NHANES um eine Querschnittsstudie handelt, kann zwischen Arzneimittelanwendung und depressiven Symptomen kein kausaler Zusammenhang hergestellt werden.
In der Studie wurden Arzneimittel mit Hilfe der Datenbank Micromedex auf ihre depressiven Nebenwirkungen hin identifiziert. Für die Vollständigkeit dieser Datenbank können die Forscher nicht garantieren: So seien beispielsweise nicht alle Calciumkanalblocker gelistet, obwohl es Hinweise gibt, dass sie mit Depressionen assoziiert werden (In deutscher Fachinfo: Nebenwirkung Depression „gelegentlich“). Die Ergebnisse könnten den tatsächlichen Effekt zudem unterschätzen, weil nur verschreibungspflichitge Arzneimittel untersucht wurden.
Die NHANES lässt es zudem nicht zu, eine eventuelle Vorbelastung durch Depressionen zu berücksichtigen. Eine Depression als Nebenwirkung kann deshalb nicht klar von einer nicht Arzneimittel-induzierten Depression unterschieden werden. Zudem wurde in der Studie nicht überprüft, ob Leber- und Nierenfunktion normal waren. Substanzfehlgebrauch oder –missbrauch wurden auch nicht erfasst. Genauso bleibt unklar, ob die zugrunde liegenden Krankheiten statt der Arzneimittel zur Depression führen können.
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