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EU-Expertengremium macht VorschlägE
Wie sollen teure Innovationen in Zukunft bezahlt werden?
Nur eins von zehn neuen Arzneimitteln ist eine echte Innovation
Der Bericht des EXPH hebt hervor, dass in Europa nur jedes zehnte neu auf den Markt gebrachte Medikament eine echte Innovation sei, die einen wichtigen therapeutischen Gewinn in Form von klinischen Vorteilen für Patienten mit sich bringe. Umgekehrt hätten neun von zehn Arzneimitteln keine oder nur geringe klinische Vorteile. Die meisten neuen Arzneimittel (30 Prozent aller Neuzulassungen, 12-14 pro Jahr) würden derzeit in dem besonders kostenintensiven Bereich der Onkologie zugelassen. Das Gremium verweist hierzu auf eine aktuelle Analyse aller Neuzulassungen von 2009 bis Mitte 2016 (n = 134). Diese habe ergeben, dass nur 22 davon (18 Prozent) das Gesamtüberleben um mehr als drei Monate erhöhten und dass für 37 (27 Prozent) zum Zeitpunkt der Zulassung weder Daten zum progressionsfreien Überleben noch zum Gesamtüberleben verfügbar waren.
Managed Entry Agreements für hochpreisige Arzneimittel
Die Stellungnahme des EXPH geht auch auf die Mechanismen ein, die die Länder für die Erstattung hochpreisiger Arzneimittel entwickelt haben und die zu einem unterschiedlichen Zugang der Patienten zu den Präparaten führen. In vielen Ländern wurden für Zweifelsfälle bezüglich der klinischen Evidenz und er Kostenwirksamkeit neuer Pharmaka so genannte „Managed Entry Agreements (MEA) für die Kostenübernahme durch die Krankenversicherungen etabliert. Hierbei handelt es sich um vertragliche Vereinbarungen zwischen dem Pharmaunternehmen und dem Kostenträger, bei denen beide Seiten einen Teil der „Unwägbarkeiten“ tragen. Die MEAs können unterschiedlich ausgelegt sein und zum einen auf die Preise abstellen, wie etwa Rabatte und Preisnachlässe, Budgetierungen, und zum anderen auf das klinische Ergebnis (z. B. Erstattung nur bei Behandlungserfolg).
Kosten für onkologische Arzneimittel steigen rasant
Die Inhalte der Managed Entry Agreements seien meist vertraulich, heißt es in der Stellungnahme. Und obwohl sie in vielen Ländern bereits seit einigen Jahren eingesetzt werden, gebe es keine öffentlich zugänglichen Erkenntnisse, ob sie die in sie gesetzten Erwartungen tatsächlich erfüllen, sei es, dass sie die Unsicherheiten bezüglich des klinischen Nutzens reduzieren oder auch zur Höhe etwaiger Kosteneinsparungen. Nach einer aktuellen Erhebung für den Bereich der Pharmakotherapie in der Onkologie gibt es in Belgien, England, Italien, Schweden, Schottland und Wales insgesamt 164 spezifische MEA, die sich auf 58 individuelle Arzneimittel beziehen. Die meisten davon werden in Italien angewandt (63), gefolgt von Schottland (43), England und Belgien (jeweils 28). Zwischen 2005 und 2014 sollen die Gesamtausgaben für onkologische Arzneimittel in Europa von 7,6 auf 19,1 Milliarden Euro angewachsen sein.
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