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Lieferengpässe bei Arzneimitteln
Ärzte-Präsident fordert Arzneimittelreserve
Staatlicher Arzneimittelvorrat umsetzbar?
„Die Arzneimittelknappheit nimmt stark zu. Jeder Apotheker hat täglich weit über 100 Fehlpositionen. Wir müssen jede Woche zusätzlich sechs Arbeitsstunden dafür aufwenden, die fehlenden Medikamente irgendwo zu besorgen. Es fehlen Ibuprofen, Antibiotika, Beta-Blocker, Impfstoffe – das geht durch die gesamte Medikamenten-Palette“, sagte auch der Chef des Apothekerverbandes in Nordrhein-Westfalen, Thomas Preis.
Apotheken und Großhändler sichern für vier Wochen
Auch die Großhandlungen sind zur Vorratshaltung gesetzlich verpflichtet. Apotheken und Großhändler tragen nach Ansicht von Preis heute schon erheblich dazu bei, dass Arzneimittel in ausreichender Menge vorhanden sind. Ihnen sei es zu verdanken, dass „dadurch bereits ein vierwöchiger Vorrat geschaffen“ wird. Preis bedauert, dass es eine vergleichbare Verpflichtung bei den Arzneimittelherstellern nicht gibt: „Hier wäre bei versorgungsrelevanten Medikamenten zumindest im ersten Schritt mehr Transparenz über Produktionskapazitäten und Lieferengpässe nötig. Hersteller müssten auch verpflichtet werden, ihre Produktionsstandorte von Asien zurück nach Europa zu verlegen“, sagte Preis der Rheinischen Post.
Hersteller: lediglich Informationspflicht
Auch der Bundesverband der Krankenhausapotheker (ADKA) setzt sich seit Jahren vehement für eine Lagerverpflichtung der Hersteller ein, bislang erfolglos. Erfolge bei Lieferengpässen konnte die ADKA dennoch verbuchen: Wenigstens ist eine unverzügliche Informationspflicht seitens der Hersteller mit dem AMVSG (Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz) 2017 in Kraft getreten – auch wenn bedauerlicherweise wohl bislang nicht alle Pharmaunternehmen dieser Pflicht nachkommen.
Auch eine staatliche Arzneimittelreserve gibt es nicht. Der Chef des Apothekerverbandes Nordrhein hält diese für kaum umsetzbar, da es immer wieder zu Engpässen bei verschiedenen Medikamenten komme. Eine staatliche Arzneimittelreserve wurde erstmals im Grippewinter 2009/2010 angelegt. Damals gab es für 20 Prozent er Bevölkerung Impfstoffe gegen die Schweinegrippe. Die Pandemie 2009 war zumindest Anlass, dass damals eine EU-Rahmenvereinbarung zur gemeinsamen Bereitstellung von Influenza-Impfstoffen im Pandemiefall initiiert wurde. Jüngst hat Seqirus, Hersteller des einzigen in Deutschland verfügbaren tetravalenten Grippeimpfstoffes aus Zellkulturen (Flucelvax), mit der Europäischen Kommission die ersten europäischen Rahmenverträge geschlossen. Seqirus wird im Pandemiefall Influenzavakzine liefern.
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Doch auch der gemeinsame Beschaffungsmechanismus der EU ist rein freiwillig, und nicht alle Mitgliedstaaten haben sich angeschlossen.
Landen die Engpässe im Bundestag?
Karin Maag, die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, äußerte sich ebenfalls in der Rheinischen Post zu den Lieferengpässen und verwies auf neue gesetzliche Regelungen, wodurch das BfArM schneller handeln könne. Doch auch Eskalationsstufen plant Maag ein: „Sollten diese Regelungen nicht ausreichen, um Arzneimittelengpässe zu verhindern, werden wir im Deutschen Bundestag weitere Lösungen diskutieren“, so die CDU-Politikerin.
Erst kürzlich ist eine Arzneimittelreform (Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung, GSAV) in Kraft getreten, in der die Engpässe zumindest eine kleine Rolle spielen. Demnach soll in Rabattverträgen die Klausel aufgenommen
werden, dass eine „unterbrechungsfreie und bedarfsgerechte“ Lieferfähigkeit zu
berücksichtigen ist. Die Kassen sollen so in „Mitverantwortung“ genommen
werden, um Lieferengpässe zu vermeiden.
3 Kommentare
Wie wär´s mit Ursachenanalyse und -beseitigung?
von Dirk Krüger am 16.07.2019 um 15:01 Uhr
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Zum Fremdschämen
von A. Fischer am 15.07.2019 um 17:12 Uhr
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Sehr lustig
von Carsten am 15.07.2019 um 16:39 Uhr
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