Rückblick auf 2017 

Mein liebes Tagebuch

31.12.2017, 08:00 Uhr

Das Einzige was uns bleibt: Die Hoffnung auf ein gutes neues Jahr! Das wünscht Ihnen von Herzen mein liebes Tagebuch und ich. 

Das Einzige was uns bleibt: Die Hoffnung auf ein gutes neues Jahr! Das wünscht Ihnen von Herzen mein liebes Tagebuch und ich. 


4. Quartal

Oktober 2017 

Ab 1. Oktober gibt’s Entlassrezepte, eigentlich eine gute Sache für Patienten, die aus der Klinik kommen. Aber in der Praxis? Klinikärzte haben keine Übung im Ausstellen mit Rezepten – da gibt’s für Apotheken eine Menge an Fehler- und für Kassen viele Retaxquellen.

Schon heute ist sicher: Der Medikationsplan auf Papier und ohne Apotheker ist ein Mega-Flop. Von den Ärzten wird er selten ausgestellt und viele Patienten wissen nicht, was sie damit sollen, sie verstehen ihn nicht.

Das Urteil der Woche: Skonti vom Großhandel darf’s auch weiterhin geben, Skonti sind keine Rabatte. Und der Großhandel darf sogar seine Marge von 3,15 % überschreiten und sein Fixum von 70 Cent weitergeben. Im Prinzip ein gutes Urteil für die Apotheke, aber was sind die Folgen? Rabattkämpfe? Fällt das bei den Diskussionen um eine neue Honorarstruktur negativ in die Waagschale?

Denkwürdiges Datum: ein Jahr EuGH-Urteil und noch immer ist alles offen. Das Rx-Versandverbot scheint in weite Ferne gerückt. Sogar der ABDA hat es die Sprache verschlagen – kein Wort zu diesem Jahrestag. Aber unter den Jamaikanern ist es Gröhe, der noch tapfer fürs Rx-Versandverbot kämpft.

Im Gegensatz zum CDU-Wirtschaftsrat, der glaubt, ohne Versandhandel nicht leben zu können. Da kommt der Test von Versandapos von Stiftung Warentest gerade recht: Das Ergebnis ist eine Katastrophe für die Versender: Sieben der 18 getesteten Versender erhielt ein „mangelhaft“. 

November 2017 

Der Hammer im November! Wir Apothekers kriegen über eine Milliarde Euro zu viel von der GKV, soll das Honorargutachten berechnet haben. Erste Zahlen aus dem ominösen Gutachten sickern in die Öffentlichkeit und stiften Verwirrung und Verunsicherung. Umgerechnet würde jede Apotheke rund 85.000 Euro zu viel von der GKV bekommen? Muss man, kann man das ernst nehmen? Die Gerüchteküche kocht. Die ABDA hält sich vornehm aus den Gerüchten heraus. Der ABDA-Präsident widmet sich lieber dem Medikationsplan und sagt: „Er funktioniert nicht.“ Mein liebes Tagebuch, das haben wir zwar schon gewusst, aber es musste auch mal gesagt werden.

Und während sich die Politik noch lange nicht auf ein Rx-Versandverbot einigen kann, nutzen die Versender die Gunst der Stunde. DocMorris beispielsweise ballert aus allen Rohren, beschwört mit dem Slogan „Morgen macht uns digitaler“ und hippen Filmchen die digitale Zukunft.

Mitte November wabern wilde Honorarmodelle durch die Gegend. Die Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, Gabriele Overwiening, kann sich vorstellen, 50 Cent unseres Honorars in einen Topf zu werfen, aus dem dann Apotheken, die viele pharmazeutische Dienstleistungen anbieten, belohnt werden. Hessens Kammerpräsidentin Ursula Funke ist darüber not amused.

Das Thema Rezepturverweigerer schwappt hoch: Immer mehr Apotheken wollen keine Rezepturen mehr machen. Mein liebes Tagebuch, wissen die eigentlich, was sie da anrichten? Die Bayerische Apothekerkammer überlegt bereits, wie sie diese Missstände abstellen kann.

Und Ende November: Die Sondierungsgespräche sind geplatzt. Was nun? Doch Groko?

Ende November legt die BILD-Zeitung nach mit der Schlagzeile: „Apotheker kassieren 1,1 Milliarden zu viel.“ Das lockt endlich auch die ABDA aus der Reserve. In einem Wut-Video nennt der Präsident das Durchstechen solcher Infos in die Medien einen „skandalösen Vorgang“. Und meint zu den kolportierten Zahlen: Wer zu dem Ergebnis kommt, die Arbeit des Apothekers sei überbezahlt, „der ist ein totaler Ignorant oder hat überhaupt keine Ahnung von der Versorgungsrealität in unseren Betrieben“. Die Arbeit von 160.000 Kolleginnen und Kollegen werde verhöhnt. Maximalen Widerstand kündigt der Präsident an. 

Dezember 2017 

Anfang Dezember nimmt das bekanntgewordene, aber nicht offiziell veröffentlichte Honorargutachten so richtig Fahrt auf. Das Wirtschaftsministerium verwehrt sich übrigens dagegen, die durchgesteckten Informationen kämen aus dem Ministerium. Immerhin, das Zypries-Ministerium bedauert die „Vorab-Leaks“.

Die ABDA lässt sich nicht auf eine Diskussion zu den kolportierten Zahlen ein. Nur so viel: Die ABDA will über eine Herabsenkung des Honorars nicht verhandeln und es soll auch keine interne Verteilungsdebatte zwischen kleinen armen und großen reichen Apotheken geben. Mein liebes Tagebuch, aber da gibt es doch seit 2011 eine „Arbeitsgruppe Honorar“ bei der ABDA, die sich über eine Fortentwicklung des Apothekenhonorars Gedanken machen soll. Was ist da eigentlich herausgekommen? Aus der AG ist wenig bis nichts nach außen gedrungen. Vom Präsidenten gibt’s nur ein paar dünne Sätze zur weiteren Richtung: Das Fixhonorar soll eine Säule des Honorars bleiben, daneben soll eine weitere Vergütungssäule gebaut werden, sprich Geld von den Kassen für individuelle Dienstleistungen wie beispielsweise Chronikerberatung oder Medikationsanalyse. Diese zweite Säule soll nach und nach in einem „evolutionärem Prozess“ entstehen. Neu klingt das nicht. Ob das die Politiker überzeugen kann? Gemunkelt wird, die ABDA habe sogar noch ein eigenes Gutachten in der Schublade, das allerdings erst herausgeholt werden soll, wenn wir eine neue Regierung haben.

Dann kurz vor Weihnachten der Donnerschlag, unerwartet und unangekündigt: Das Bundeswirtschaftsministerium veröffentlicht das berüchtigte Gutachten zum Apothekerhonorar, im Auftrag erstellt von der 2hm-Agentur für schlappe 450.000 Euro. Eine zentrale Aussage in diesem Papier: Das Fixhonorar des Apothekers muss auf 5,84 Euro abgesenkt werden. Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass das Honorar einer Apotheke um durchschnittlich 40.000 Euro gesenkt werden sollte. Aberwitzig! Und wie zu erwarten halten die Gutachter von einem Rx-Versandverbot rein gar nichts. Und dann noch ein weiteres Detail aus dem Gutachten: „Relevante“ Apotheken sollen identifiziert und durch einen Strukturfonds (100 Mio. Euro) unterstützt werden. Wie das gehen soll, wie man diese Apotheken identifiziert und aussortiert, bleibt genauso offen wie weitere Überlegungen zu den Folgen.
Erstaunlich bis unfassbar: Von der ABDA kommt bis Ende des Jahrs keine Reaktion zu den Inhalten des Gutachtens. Nimmt man das einfach so hin? Kein Aufschrei, kein Protest, nichts. Nicht einmal eine erste Einschätzung. Dabei ist bereits nach einer ersten Durchsicht klar: Würde das Gutachten wirklich umgesetzt, wirft das unser Apothekenwesen über den Haufen. Wer sich diesem Zahlenwerk anschließt, will ein anderes Apothekensystem in Deutschland, das nichts mehr mit dem heutigen System zu tun hat. Mein liebes Tagebuch, wenn die Politik glaubt, dass unsere hochwertige Arzneiversorgung (die weniger kostet, als für die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel ausgegeben wird) zu teuer ist, dann wird sie das ändern. Aber dann wird alles anders. Aber sicher nicht besser.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde meines lieben Tagebuchs, herzlichen Dank für die sonntägliche Begleitung durchs letzte Jahr, fürs Lesen, fürs Kommentieren, fürs Mitdiskutieren. Fünf Jahre lang gibt es bereits das liebe Tagebuch, mit dem ich versuche, das Wichtigste aus der Berufs- und Gesundheitspolitik für uns Apothekers kommentierend und einschätzend zusammenzufassen, niedergeschrieben mit spitzer Feder, gewürzt mit Kritik und einer Prise Satire, damit auch teils schwere Kost leicht verdaulich bleibt. Wenn Sie mein liebes Tagebuch und mich auch 2018 jeden Sonntag wieder begleiten, freue ich mich! Jetzt bleibt mir nur noch eins: die Hoffnung auf ein gutes und erfolgreiches neues Jahr! Das wünsche ich Ihnen von Herzen!



Peter Ditzel (diz), Apotheker / Herausgeber DAZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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8 Kommentare

Nadelkissen gesucht

von Bernd Jas am 01.01.2018 um 12:52 Uhr

1.) Komfort-Rx-Versand mit allem Schnick und Schnack.
2.) NNF wie versprochen zu wenig.
3.) EU-Schräglage bei Liberalisierung z.B. RX-Boni und unterschiedliche MwSt-Sätze.
4.) ABDA, die zahnlose Tiegerschnecke.
5.) Steigende Beiträge (für Friedemanns kuschelig Häuschen).
6.) Wettbewerb; (zwischen Hase und Igel) haben wir nicht schon vom Märchen gelernt, dass man so was nur mit Bescheißen gewinnt? Wobei wir schon lange, offensichtlich und vor allem legalisiert beschissen werden.
7.) Stagnato in riesen Schritten beim Apothekenhonorarkonzert.
8.) Ständiges Kettengerassel.
9.) Lieferengpässe und Lückenschluß mit Fälschungen.
9.a.) Aber Securpharm. Wer bezahlt, wer schlägt sich mit dem unbezahlten Aufwand rum, wer büßt die Fehler im System, wer erklärt´s dem auf seine wohlverdiente Diskussion um sein Rabattarzneimittel wartenden Kunden.
10.) Fröhliches Null-Retaxieren unter Sektkorkenregen bei Formfehlern.
11.) Jau, Entlassrezepte mit Wirkstoffverordnung und aut idem Kreuzchen, da kommt die „Samstags-Freude“ auf.
12.) Doc Morris und einfache Rezepturen, dabei haben wir mittlerweile über einen Meter Rezepturdokumentation im Regal. Muß der das auch veranstalten?
13.) „Er funktioniert nicht.“ maximaler Widerstand.
14.) Arzneimittelversorgung die weniger kostet, als für die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel ausgegeben wird, ist in Holland schon hart an der innereuropäischen Schmerzgrenze.
15.) Honorargutachten. Deckel drauf und Turbo an. Eine Minute höchste Stufe. Dann alles unter vorsichtigem Rühren im Toi-Toi versenken.




Wiedermal das Highlight der Woche (des Jahres) Herr Ditzel,

eigentlich wollte ich nur mal die Nadelstiche beim Querlesen aufreihen, konnte mir nicht verkneifen diese mit etwas von dem Recycling-Lametta auszustatten und schenke sie Ihnen nun als ironisch satirische Ergänzung.
Ein Kopfkino jagt Sonntag für Sonntag das nächste. Diesmal besonders gut, der über seine Tasse Tee aus der Alfikanne gebeugte, sich in den Medikationsplan verbissene Präsiterrier.
„ER“ funktioniert nicht.

Dem besten Fachschriftsteller für alles einfach nochmal DANKE Herr Ditzel!
Bernd Jas

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Nadelkissen gesucht

von Peter Ditzel am 01.01.2018 um 17:27 Uhr

Lieber Herr Jas, was für ein Jahr! Vielen Dank für Ihre Nadelstiche. Und im nächsten Jahr gibt's Häkelnadeln und viel Garn – wir häkeln uns eine kleine Apothekerwelt. Alles Gute für 2018 und herzliche Grüße!

Hoffnung

von Reinhard Rodiger am 01.01.2018 um 12:06 Uhr

"Wo Gefahr ist, wächst das Rettende nach" (Hölderlin)

Wenn nicht jetzt,wann dann?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Neujahrswunsch

von Frank ebert am 31.12.2017 um 14:59 Uhr

Merkel weg , Schulz weg, Schmidt weg !

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Neujahrswunsch

von AlFreD am 02.01.2018 um 18:13 Uhr

Da haben Sie noch ein paar weitere Namen vergessen: Gauland, Wedel, Höcke, Meuthen, von Storch...

Vom Komma zum Koma ...

von Christian Timme am 31.12.2017 um 11:58 Uhr

Hoffen, bangen, kalt und warm, die „Achterbahn der Gefühle“, es mag nicht enden ... dies auf und ab ... rein und raus. Nicht alles ist schlecht und nicht alles gut oder bestens ... aber ohne geht auch nicht. Wer in und an der „Irrenanstalt für Gesundheit“ weiter zündelt ... der bekommt ... und nicht zu knapp. Vernunft und Augenmaß, gibt es das noch?. Oder gilt in Zukunft nur noch die dritte Stelle hinter dem Komma?.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Alles Gute für 2018

von Thesing-Bleck am 31.12.2017 um 11:37 Uhr

Liebes Tagebuch,
Danke für fünf Jahre und alles Gute für 2018 !

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das ist der Punkt:

von Karl Friedrich Müller am 31.12.2017 um 9:50 Uhr

Ohne Apotheken geht es nicht.
Wenn ich mir so ansehe, was wir täglich leisten und Dinge organisieren, die sonst nicht funktionieren würden, ( weil Pflegedienste, Altenheime oder Praxen erst in letzter Minute merken, dass die Medizin aus ist zum Beispiel) Leute versorgen, reden , trösten, zuhören...

Das kann der Versand nie leisten, geht einfach nicht.

Die Versorgung ist mehr als Schachteln schubsen.
Das könnten auch die Apotheken Hasser wissen.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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